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30.09.2010

Verwurzelt in der Baukultur

Man kann eine Wohnsiedlung aus den 1960er-Jahren nüchtern sanieren – oder sie so modernisieren, dass sie ökologische, soziale, technische, wirtschaftliche und sogar noch gestalterische Ausrufezeichen setzt.

Eine sehenswerte Lösung in dieser Hinsicht gelang dem Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG mit einer aufwendigen Modernisierung von Mehrfamilienhäusern in der Hasselbrookstraße in Hamburg-Eilbek.

Nicht die politischen Verhältnisse haben Hamburg zur „roten Stadt“ gemacht – sondern ihre Baumeister und deren Vorliebe für einen aus Ton gebrannten Baustoff. Auf Oberbaudirektor Fritz Schumacher, der in der Elbestadt von 1907 bis 1933 wirkte, geht das Gros der das Stadtbild prägenden Backstein- und Klinkerbauten zurück.

Dämmmaßnahmen sind im Sinne des Umweltschutzes und der Lebensqualität der Bewohner. Nun geht die Sorge um: Wird der Werkstoff mit Tradition und Flair von den Sichtflächen und aus dem Blick verschwinden, weil außenseitige Wärmedämmung eine ökologische und wirtschaftliche Notwendigkeit ist? Werden womöglich ganze Stadtteile ihre baukulturelle Identität preisgeben müssen und hinter der Anonymität gesichtsloser Energiesparoberflächen verschwinden?

Dass es zwischen musealer Konservierung des – energetisch unbefriedigenden – Status Quo und der technisch leistungsfähigen, aber ausdruckslosen Fassade viele ausgezeichnete dritte Wege gibt, zeigen zahlreiche Sanierungen in Hamburg bereits ganz praktisch. Allen gemeinsam ist, dass sie die energieeffiziente Ausstattung der Fassade mit einer sensiblen Fassadenneugestaltung verbinden.

Ein Beispiel ist die niveauvolle Modernisierung einer Bestandswohnanlage in Hamburg-Eilbek, die mit Aufstockungen verbunden wurde und mit einem ergänzenden Neubau das Wohngebiet nachverdichtet. Als Bauherr arbeitete der Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG hier eng mit dem Stadtplanungsamt der Hansestadt und ihrem heutigen Oberbaudirektor Jörn Walter zusammen.

Mehr wertiger Wohnraum

Die Konzeption der Architekten, der Hamburger Büros Hohaus, Hinz & Seifert sowie Augustin + Sawallich, betraf insgesamt 202 Wohneinheiten. In den massiven Rotklinkerbauten aus den Jahren 1959 bis 1963 entstanden in zwei Bauabschnitten und rund zwei Jahren Bauzeit neben verbesserten Bestandswohnungen insgesamt 51 zusätzliche Wohnungen, darunter durch zweistöckigen Dachgeschossausbau 31 Maisonette-Wohnungen sowie weitere durch Neubauten, die eine bestehende Baulücke schlossen. Die neue Wertigkeit erschließt sich sofort optisch – aus einer gewöhnlichen Wohnsiedlung ist ein architektonisch interessantes Quartier geworden – und aus dem Vermietungsergebnis. Auch alle neuen Wohnungen in dieser zentralen, doch ruhigen Lage konnten sehr schnell komplett vermietet werden. Unterm Strich ist dies ein Ergebnis, das einer intensiven Planung und sorgfältigen Umsetzung zu verdanken ist.

Den kompletten Bericht, der auch in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „BundesBauBlatt“ erschienen ist, finden Sie in der Rubrik Presseschau der Brillux Farbstudios. Weitere Informationen über das Objekt in der Hasselbrookstraße in Hamburg können Sie in der Rubrik Farbstudio > Referenzobjekte einsehen.