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Handwerk trifft Hip-Hop "Gäbe man mir einen weißen Ort – er bliebe nicht lange weiß."

Ein Interview mit Samy Deluxe, der die Brillux Nachwuchsinitiative "Deine Zukunft ist bunt" unterstützt. Sein Anspruch: Jeder sollte lernen, sein Talent in die Tat umzusetzen.

Samy, du bist nicht nur als Musiker, sondern auch als sozial engagierter Mensch bekannt. Warum ist die Nachwuchsinitiative "Deine Zukunft ist bunt" für dich ein Baustein, der zur Berufsorientierung von jungen Menschen beitragen kann?

Seit ich angefangen habe Musik zu machen, gehört für mich etwas dazu, das seine Wurzeln im Hip-Hop hat: das Each-one-teach-one-Prinzip. Man lernt und gibt dieses Wissen weiter. Ab 2007 habe ich dann begonnen, mich als Talentförderer aktiv in Vereinen und Workshops einzubringen – "Deine Zukunft ist bunt" ist eine Art logische Fortsetzung.

  • <p>Foto:<em>&nbsp;</em>Brillux/Janick Zebrowski</p>

    Foto: Brillux/Janick Zebrowski

Als Botschafter für "Deine Zukunft ist bunt" hast du mal davon gesprochen, dass du ein "Fan von Können" bist. Wo begegnet dir handwerkliches Können, das dich begeistert?

Zum Beispiel, wenn wir auf Tour sind. Wir brauchen Leute, die die Bühne bauen, dazu Licht und Sound. Das sind handwerkliche Berufe, die ganz oft mit Schulfächern zu tun haben, die ich nicht mochte. Ich habe zum Beispiel Physik gehasst, aber wenn man sich mit Tontechnik und Engineering befasst, merkt man: Da ist Physik wichtig. Überall um mich herum sind diese kreativen Berufe, und ich bin ein Fan all dieser Leute. Für mich ist dabei ihre Arbeit nicht weniger wertvoll als das, was ich mache. Jeder hat seine Skills und trägt zum Gesamtkunstwerk bei.

Ein Tag mit dir und den Coaches von deinem Verein DeluxeKidz ist der Hauptgewinn bei "Betrieb trifft Schule" – ein Projekt, bei dem Schüler unter Anleitung von Handwerkern ihr Klassenzimmer streichen. Hättest du dir während deiner Schulzeit auch einen so praxisnahen Unterricht gewünscht?

Für mich war Schule und die Art, wie unterrichtet wurde, immer eine Qual. Ich finde aber, das Selbstfindungsprinzip sollte in der Schulzeit schon viel früher integriert werden – dann gäbe es auch viel mehr Menschen, die Lust auf handwerkliche Berufe haben. Schließlich kann nicht jeder Instagram-Model werden, denn die Talente sind sehr unterschiedlich verteilt: Manche Leute sind geschickt mit ihren Händen, für andere ist es die Sprache oder ihre Körpersprache – jeder hat sein Ding.

Was du auf der Bühne machst, hat viel mit Handwerk zu tun, obwohl es dafür keine klassische Ausbildung gibt. Hättest du dir am Anfang manchmal gewünscht, dass es wie in einem Handwerksbetrieb jemanden gibt, der dir das Fachwissen weitergibt?

Man kann ja nichts vermissen, was man nicht kennt. Vielleicht ein Beispiel: Wir hatten in den ersten Jahren keinen Tontechniker und keinen Monitorlautsprecher. Instinktiv wird jeder Performer lauter, wenn er sich zu leise hört. Also habe ich meine Stimmbänder permanent überlastet und Glück gehabt, dass ich in dieser Zeit keine OP brauchte wie viele meiner Kollegen. Hätte ich als Auszubildender im Handwerk einen Job gemacht, für den man Handschuhe braucht, wäre sicher irgendwann ein Meister gekommen, der mir erklärt hätte, wie ich mich nicht verletze.

 

Zur Person

Samy Deluxe

Der Rapper hat dazu beigetragen, den Hip-Hop in Deutschland groß zu machen. Dabei ist der Hamburger viel mehr als nur ein sehr erfolgreicher Musiker  – er ist auch Graffiti-Künstler, Soundtüftler, Arrangeur, Gastronom und ein begnadeter Teamplayer.

Mehr erfahren Sie in den Videos: Samy und das Handwerk

(Foto: Brillux/Janick Zebrowski)

 

Du hast ein großes Studio, eine private Wohnung und betreibst ein eigenes Restaurant in Hamburg. Zwangsläufig wirst du auch Handwerksbetriebe buchen müssen – gibt es ein Aha-Erlebnis, bei dem du dachtest: "Das hätte ich jetzt auch gerne gekonnt"?

Wenn da einer ist, der etwas wirklich gut kann, dann ist es ein tolles Gefühl, einfach daneben zu stehen und Fan zu sein. Das ist auch für mich ein ganz großer Teil meiner Message für "Deine Zukunft ist bunt": Es ist wichtig, Fan von Menschen zu sein, die für ihr Können nicht öffentlich angehimmelt werden und doch so wichtig sind.

  • <p>Foto:<em>&nbsp;</em>Brillux/Janick Zebrowski</p>

    Foto: Brillux/Janick Zebrowski

Du bist zwar schon länger im Beruf, aber jedes neue Album ist vermutlich für dich immer auch ein neuer Anfang – was rätst du jungen Menschen, die in ein ganz neues Kapitel ihres Lebens starten?

Zum Glück war bei mir die Neugier immer größer als die Angst, dass etwas nicht klappen könnte. Natürlich haben manche Menschen immer Angst vor dem nächsten Schritt. Was ich für mich selbst sagen kann: Die Dinge passieren organisch und alles, womit ich mich beschäftige, zeichnet auch die Entwicklung vor. Auch mein Unplugged-Album kam nicht aus dem Nichts – ich habe schon 2009 angefangen, mit Bands zu spielen, und habe mich zehn Jahre lang damit beschäftigt. Man muss vermutlich lernen, mit den Leuten, die um einen herum sind, zu kommunizieren, um die Ergebnisse zu erreichen, die man sich wünscht.

Zum Maler- und Stuckateurberuf gehört es, dass Dinge und Räume durch Farbe ein neues Gesicht erhalten. Könntest du dir vorstellen, ständig in derselben Umgebung zu leben, oder bist du eher ein Veränderer?

Auf jeden Fall Veränderer. Ganz am Anfang meiner Karriere hatte ich das "Eimsbush Basement", das war so eine Keller-WG, die zu einem der Geburtsorte deutscher Rap-History geworden ist, später mein Studio in Sankt Pauli, jetzt gerade ein neues Loft in Berlin und dann dieses Studio, wo wir gerade sind. Ich mag einfach Orte, wo kreative Sachen entstehen. Und alles ist eine Collage – meine Texte, die Instrumente und meine Bilder. Gäbe man mir einen weißen Ort – er bliebe nicht lange weiß.

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