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Stuckateure treffen sich zum „Tag der Ausbildung“

Wie finde ich geeignete Auszubildende oder Fachkräfte für meinen Stuckateur-Betrieb? Wie binde ich Mitarbeiter ans Unternehmen? Welche Chancen sollte ich als Azubi während meiner Ausbildung ergreifen? Das sind Fragen, die sich viele Unternehmer und Azubis stellen. Vor diesem Hintergrund fand am 28. Februar ein „Tag der Ausbildung“ in der Brillux Niederlassung in Reutlingen statt. Das Motto der Veranstaltung: „Stuck-Azubi. Dein Beruf – deine Zukunft“.

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In verschiedenen Workshops erfuhren die rund 100 Teilnehmer – eingeladen waren Unternehmer, Azubi-Trainer und Azubis –, wie eine Ausbildung erfolgreich ablaufen kann und welchen Beitrag alle Beteiligten dafür leisten sollten. Wichtig dabei: Ein Verständnis für die Bedürfnisse des jeweils anderen zu schaffen.

Die Devise lautet: An einem Strang ziehen
In Gruppen erarbeiteten die Teilnehmer zunächst getrennt voneinander, wie eine gute Ausbildung sowie ein kollegiales Miteinander gelingen kann. Die Azubis lernten, dass das Übernehmen von Verantwortung ein entscheidender Teil ihrer Ausbildung sein muss. Azubi-Trainer und Unternehmer beschäftigten sich damit, wie bedeutend es ist, ihren Mitarbeitern Wertschätzung entgegenzubringen und sich für sie Zeit zu nehmen. Das bestätigt auch Azubi Maximilian Schäfer: „Mir ist ein gutes Arbeitsklima sehr wichtig – mit netten und freundlichen Kollegen“, so der 16-Jährige, der seine Ausbildung bei der Haussmann GmbH & Co. KG macht. „Eine gute Ausbildung bedeutet für mich, dass ich viel lerne, von Zeit zu Zeit immer mehr kann und hinterher etwas in der Hand habe.“

Auch Luisa Blattner ist eine Verfechterin des Berufs: „Wenn andere an das Stuckateur- und Malerhandwerk denken, assoziieren sie damit meistens schmutzig, nass und kalt. Dabei ist unser Beruf sehr kreativ und abwechslungsreich“, erzählt die 21-Jährige. Sie hat nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Ausbau-Managerin im Stuckateur- und Malerbetrieb Besemer Ausbau und Fassade GbR begonnen und ist nun im zweiten Lehrjahr.

Handwerk zum Anfassen
Neben den eher kommunikativen Workshops hatten die Teilnehmer auch die Möglichkeit, praktisch zu arbeiten. Mit der Spritztechnik testeten alle Teilnehmer das zeit- und materialsparende Verfahren. Viel auszuprobieren gab es vor Ort auch im Show-Truck der Nachwuchskampagne „Deine Zukunft ist bunt“. Alle Interessierten hatten die Möglichkeit, sich unter anderem am Farbdesigner auszuprobieren und Gebäudefassaden zu gestalten, ihr Wissen bei einem Farben-Quiz zu testen und von einer Couch aus Videos über den Arbeitsalltag von Azubis anzuschauen.

Informativer und ertragreicher Tag
Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung war der Austausch untereinander. Die Teilnehmer konnten von den Erfahrungen der anderen lernen und viele Impulse bekommen, von denen sie im Arbeitsalltag profitieren können. Die Erkenntnisse des Tages: Unternehmer, Azubi-Trainer und Azubis liegen mit ihren gegenseitigen Erwartungen und Wünschen nah beieinander. Doch wie können Unternehmer ihre Mitarbeiter und Azubis noch besser motivieren? Das gelingt durch klare Anweisungen, durch einen kontinuierlichen Austausch, um Probleme frühzeitig zu erkennen, durch die Wertschätzung der Mitarbeiter und auch dadurch, nicht nur zu kritisieren, sondern auch in den vielen Fällen, in denen alles rund läuft, zu loben.

Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung wie diese, sind ebenso wichtig wie die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Deshalb sollte der „Tag der Ausbildung“ ebenfalls dafür genutzt werden, mit den Unternehmern Strategien für die Azubi- bzw. Fachkräfterekrutierung zu entwickeln: „Wir möchten den Stuckateuren den bestehenden Nachwuchsmangel bewusst machen und ihnen konkrete Hilfestellungen für die Auszubildenden- und Fachkräfterekrutierung geben“, erklärt Thomas Arnold, Hauptgeschäftsführer des Fachverbands der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg (SAF). „Hier gibt es absoluten Handlungsbedarf, wofür wir gemeinsam mit den Betrieben gerne Verantwortung übernehmen. Das gelingt uns aber nur, wenn die aktuellen Azubis für ihr Handwerk begeistert werden und sie mit ihrer Ausbildung zufrieden sind.“

Einsatz für die Stuckateure
Der SAF veranstaltete den „Tag der Ausbildung“ gemeinsam mit Brillux, Initiator der „Deine Zukunft ist bunt“-Kampagne. Die Initiative des Münsteraner Farben- und Lackherstellers richtet sich gezielt an Schülerinnen und Schüler in der Berufsfindungsphase sowie an Quereinsteiger, denen das Stuckateur- und Malerhandwerk nähergebracht werden soll. Auch Stuckateur- und Malerbetriebe werden mit der Kampagne direkt angesprochen und durch verschiedene Maßnahmen unterstützt: sowohl bei der Auszubildenden- bzw. Fachkräfterekrutierung als auch bei der Mitarbeiterbindung. Über 4.700 Betriebe haben sich bereits für die Ausbildungs- und Praktikumsbörse auf der Kampagnen-Website registriert. Das ermöglicht ihnen, sich als Ausbildungsbetrieb zu präsentieren und die Barriere zwischen ihnen und Handwerksinteressierten für die Bewerbung gering zu halten.

„Es ist uns sehr wichtig, dass wir den Stuckateur- und Malerbetrieben den Rücken stärken. Deshalb setzen wir uns mit der Kampagne dafür ein, dass diese Handwerksberufe nicht nur auf arbeitsvorbereitende Maßnahmen und schweres Tragen reduziert, sondern auch als vielfältig und kreativ wahrgenommen werden“, sagt Lothar Kexel, Brillux Verkaufsleitung Süd. „Selbstverständlich sehen wir es darüber hinaus als wichtig an, den Betrieben dahingehend unter die Arme zu greifen, ihre Azubis und auch ihre anderen Mitarbeiter langfristig für den Beruf zu begeistern und an den Betrieb zu binden. Der „Tag der Ausbildung“ ist dafür ein wichtiger Baustein.“

Drei Fragen an Lukas Schulze Brock, Leiter der Brillux Akademie
„Wertschätzung ist keine Einbahnstraße!“

Lukas Schulze Brock war am „Tag der Ausbildung“ Referent und hat mit den Azubi-Trainern Ansätze für eine erfolgreiche Ausbildung erarbeitet. Der Titel seines Workshops lautete: „Wertschätzung und Zeit für den Azubi sind die Grunderfolgsfaktoren einer guten Ausbildung“.

Mit welcher Zielsetzung sind Sie an den „Tag der Ausbildung“ herangegangen?
Lukas Schulze Brock: Der Tag stand unter der Überschrift, Menschen, die von der Herausforderung „Ausbildung“ betroffen sind, in den Austausch zu bringen: Gemeint sind Unternehmer, Azubi-Trainer und Auszubildende. Das Spannende an diesem Format war, dass wir sie in homogene Zielgruppen eingeteilt haben. Die Azubis hatten die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen – die Azubi-Trainer konnten über ihre Erfahrungen sprechen. Und die Unternehmer sind zusammengekommen, um über ihre Herausforderungen zu diskutieren, die es im Kontext der Ausbildung im Stuckateurhandwerk gibt. Die konkrete Zielsetzung war es jeweils, zielgruppenspezifische, praxisnahe Vorschläge für eine erfolgreiche Ausbildung zu erarbeiten.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrem Workshop mit den Azubi-Trainern?
Lukas Schulze Brock: Wir haben uns ein Stück weit an der Frage abgearbeitet, wie sich durch Wertschätzung eine gute Ausbildung realisieren lässt. Am Ende standen hier viele spannende Thesen im Raum. Unter anderem haben wir festgestellt, dass Wertschätzung keine Einbahnstraße ist. Wertschätzung gibt es also nicht nur vom Ausbilder gegenüber dem Azubi, sondern umgekehrt auch vom Azubi gegenüber dem Ausbilder und letztendlich gegenüber dem Unternehmer. Eine zweite wichtige Erkenntnis: Wertschätzung ist nicht einfach nur ein Lob, sondern eine Grundhaltung, mit der ich die Ausbildung angehe.

Das Thema Wertschätzung schien das dominierende Thema zu sein. Wie können sich alle Beteiligten im Alltag gegenseitig mehr Wertschätzung entgegenbringen?
Lukas Schulze Brock: Wertschätzung heißt nicht, einen Kuschelkurs zu fahren – ganz im Gegenteil: Beispielsweise muss im Umgang mit Lob und Kritik die richtige Dosis gefunden werden. Lob sollte da ansetzen, wo es sinnvoll ist und wo es den gewünschten Effekt erzielt, aber Kritik darf dabei natürlich nicht ausgespart werden. Wichtig ist, Wertschätzung immer auch in andere betriebliche Kontexte zu setzen. Am Ende des „Tages der Ausbildung“ haben wir deshalb zusätzlich Ansätze gefunden, wie ich einen eigenen Beitrag zum Thema Betriebsklima, Selbstständigkeit und Work-Life-Balance leisten kann.

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