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Basels Bauklötze: Meret Oppenheim Hochhaus

Fotos: Adriano A. Biondo / Biondopictures; Robert Hösl

Dieser Artikel erschien in der colore #bonbonrosa

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Im Dreiländereck Schweiz–Frankreich–Deutschland liegt Basel, das zweitgrößte Wirtschaftszentrum der Schweiz. Eine moderne Stadt mit historischem Kern und internationaler Atmosphäre, in der gut 200.000 Menschen aus über 160 Nationen leben. Zu ihnen gesellen sich tagtäglich etwa 100.000 Pendler. Mit einem nahe gelegenen Flughafen, führenden Unternehmen und Forschungsinstituten, Messen und Kongressen von Weltruf sowie renommierten Kunstinstitutionen und -veranstaltungen ist Basel weit bedeutender als seine Größe vermuten lässt.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) als einer der größten Grundeigentümer der Schweiz erschließen in den letzten Jahren zunehmend Immobilienpotenzial rund um die Bahnhöfe von Basel, Zürich, Luzern etc. und tragen damit zur Verdichtung der Stadtzentren bei. Eins dieser Projekte ist auch das Meret Oppenheim Hochhaus im Basler Stadtteil Gundeldingen. 2002 gewann das Architekturbüro Herzog & de Meuron den von den SBB ausgeschriebenen "Südpark-Wettbewerb", der zwei Baufelder südlich des Bahnhofs umfasst. Die beiden Areale sind durch die "Passerelle", eine die Gleise überspannende Fußgängerüberführung, miteinander verbunden; zusammen bilden der Südpark (2012 fertiggestellt) und das Meret Oppenheim Hochhaus den neuen räumlichen Kontext des Zugangs zum Bahnhof und zum Basler Stadtzentrum.

 

Besondere Hommage

Es ist ein Organismus, eine Art 'robotic animal'.

Gebäude, Straße, Platz und der Brunnen vor dem Hochhaus sind nach Meret Oppenheim (1913–1985) benannt und setzen der Künstlerin in der Stadt ihrer Jugend sozusagen ein Mehrfach-Denkmal. Die von Meret Oppenheim entworfene Skulptur "Die Spirale (der Gang der Natur)" glitzert über der Wasserfläche des Brunnens – ein markanter Kontrapunkt zum Gebäude. Die Idee von Herzog & de Meuron Architekten für diese Brunnenfigur wurde in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Bice Curiger, die bereits in den 1980er-Jahren eine Monografie über die Künstlerin veröffentlichte, und mit dem Einverständnis der Erben entwickelt.

 

Gestapelte Volumen

Die Form des Hochhauses wird bestimmt durch die Stapelung von Volumen unterschiedlicher Größe. Sie ermöglicht es, den Maßstab des hohen Gebäudes herunterzubrechen – sowohl auf der an das breite Gleisfeld angrenzenden Seite als auch auf der gegenüberliegenden Seite, die dem historischen "Gundeli"-Viertel mit geringer Höhe zugewandt ist. Geschaffen wurde eine Art Topografie mit verschiedenen Terrassen, Ebenen, Lücken und anderen Außen- und Innenräumen. Die zahlreichen zurückversetzten und auskragenden Elemente bieten exklusive Außenräume für sehr viele Wohnungen.

Multifunktionale Flächen

Das multifunktionale Gebäude mit Wohnungen, Büros, einem Café und einem Restaurant bietet dank raumhoher Fensterfronten und eines Lichthofs helle, großzügige Innenräume. In den oberen 19 Etagen des 81 Meter hohen Hauses liegen hochwertig ausgebaute Mietwohnungen, die eine fantastische Sicht über die Stadt und das Umland gewähren. Über dem Erdgeschoss liegen fünf Bürogeschosse, und im Erdgeschoss befindet sich direkt am neu gestalteten Meret-Oppenheim-Platz ein Restaurant. Im 6., 7. und 15. Geschoss gibt es große Außenflächen, die den entsprechenden Wohnungen als Terrassen dienen oder als gemeinschaftliche Außenräume der Büros genutzt werden können.

Hautartige Fassade

Die "faltbare" Aluminiumfassade umschließt das Gebäude und macht es zu einem abstrakten grauen Körper, der wie eine Pixelburg aufragt – absolut adäquat für eine so dicht bebaute und von unterschiedlichsten Menschen belebte Weltstadt. Ein System aus Faltschiebeläden prägt die äußere Gestalt und Erscheinung, wie eine Haut, die sich auffalten lässt. Direkt hinter den beweglichen Sonnenschutzelementen befindet sich die Schicht der Balkone, die auf allen Seiten des Gebäudes eine Tiefenwirkung erzeugt. Dieser Zwischenraum sorgt für einen Filter zwischen Privatwohnungen und Stadt, der Ausblicke von innen nach außen erlaubt und eine wechselnde Transparenz von außen nach innen bewirkt. Die dadurch hervorgerufene Tiefe der Fassade verleiht der Hülle ihre unverwechselbare Qualität und Räumlichkeit. Das Erscheinungsbild des Gebäudes ändert sich nicht nur je nach Blickwinkel innerhalb der Stadt, sondern auch im Lauf der Tageszeiten. Das Gebäude verwandelt sich permanent: von der klaren, präzisen Volumenassemblage zu einem eher erodierten, verschwommenen Erscheinungsbild und wieder zurück. Das geschieht durch die Nutzung der Klappläden durch die Bewohner und durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht oder Wind.

 
  • OBJEKT | STANDORT Meret Oppenheim Hochhaus, Basel
  • BAUHERR | NUTZER Schweizerische Bundesbahnen SBB, Immobilien Development Region, Olten
  • ARCHITEKTEN Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel
  • TOTALUNTERNEHMER HRS Real Estate AG
  • TECHNISCHER BERATER Peter Schweizer, Brillux Muttenz
  • AUSFÜHRENDER MALERBETRIEB Chiaravalle Maleratelier AG, Basel
 
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