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Die Befreiung

Fotos: Ingeborg F. Lehmann, St. Märgen

Dieser Artikel erschien in der colore, Ausgabe #himbeerrot

Mit viel Feingefühl verwandelten die Innenarchitekten der Knoblauch GmbH ein ehemaliges Gefängnis in ein modernes Hotel mit besonderer Geschichte.

Ein "Flow" ist ein hochkonzentrierter, intuitiver Zustand, in dem sich scheinbar alles von selbst zusammenfügt – am Ende steht in der Regel ein optimales Ergebnis, das allein durch Planung so nicht möglich gewesen wäre. In einem solchen "Fluss" entwickelte sich die innenarchitektonische Gestaltung des Hotel Liberty in Offenburg, mit fein aufeinander abgestimmten Farben, Stoffen und Strukturen. Angesichts der etwas morbiden Vergangenheit des Hotels ist das Resultat umso beeindruckender: 1843 erbaut, diente das Gebäude bis ins Jahr 2009 als Gefängnis.

 

Als Putz wurde hier eine Struktur eingesetzt, die eine schöne Lebendigkeit ausstrahlt.

Katja Scharnagel

 

"Wir haben lange überlegt, wie wir die besondere Historie in etwas Positives umwandeln", sagt Katja Scharnagel, Vertrieb Design bei Knoblauch GmbH, die das innenarchitektonische Konzept umsetzte. Im Zuge des Umbaus wurden grundlegende Veränderungen vorgenommen, um das ehemalige Gefängnis überhaupt als Hotel nutzbar zu machen. Viele Fragmente der Vergangenheit blieben erhalten und wurden in einen neuen Kontext gesetzt, wie unter anderem die vergitterten Fenster im Lounge-Bereich oder Tische aus historischen Balken.

Ursprünglich waren Gewölbe und Räume in hellen Tönen gehalten worden – als aber der bestehende Putz entfernt werden musste, wurde darunter das wunderbare alte Mauerwerk sichtbar und für das Planerteam war sofort klar: Das muss erhalten werden.

Dieser Entschluss veränderte das gesamte Farbkonzept. Die rötlichen Steine kombinierten die Innenarchitekten nun mit einem tiefen Blau sowie einem grüngrauen Ton: die optimale Kombination für ein in sich stimmiges Gesamtkonzept. Essenzielle Dinge mussten schnell und direkt vor Ort entschieden werden, und aus dieser prozesshaften Arbeit hat sich ein harmonisches Ganzes ergeben.

Man hat den Eindruck, alles ist nun so, wie es sein sollte. In diesen "Flow" fügte sich auch die Zusammenarbeit mit Brillux ein. "Als Putz wurde hier eine Struktur eingesetzt, die eine schöne Lebendigkeit ausstrahlt", sagt Scharnagel und betont, dass Technische Berater von Brillux auf der Baustelle präsent waren, um die Maler anhand eines Musterzimmers in der Verarbeitung des speziellen Materials zu schulen.

"Das Besondere an diesem Putz ist, dass man ihn in den verschiedensten Strukturen und Stärken aufbringen kann", erklärt Dominik Schaufler vom ausführenden Malerbetrieb BSW GmbH die Schulung durch Brillux. "Wir arbeiteten zum ersten Mal mit diesem Material, und je nachdem wie viel man aufträgt, entsteht ein anderes Ergebnis, ist die Oberfläche unterschiedlich stark strukturiert." Gewünscht war eine dezente Struktur, die in allen Räumen in gleichbleibender Stärke ausgeführt werden sollte.

Um den frischen Putz vor Beschädigungen und Verschmutzungen durch andere Gewerke zu schützen, wurde sogar der Ablaufplan auf der Baustelle kurzfristig an die Malerarbeiten angepasst. "Es wurde schließlich so koordiniert, dass so wenig Gewerke wie möglich nach uns in den Räumen arbeiteten. Nach der Grundierung wurden die Böden verlegt und die Elektrik installiert. Erst als alles andere fertig war, wurde die abschließende Spachtelung aufgebracht."

"Struktur ist ebenso wichtig wie Farbe", erklärt Katja Scharnagel die aufwendige Koordination, die schließlich zum gewünschten Ergebnis führte. Um alle im Hotel verwendeten Farben, Materialien und Oberflächen gezielt aufeinander abzustimmen, wurden im Vorfeld große Materialcollagen angefertigt, die zum Teil auch ins Gebäude mitgenommen und teils vor Ort in Nuancen und Feinheiten angepasst wurden.

Dank der intensiven Zusammenarbeit aller beteiligten Gewerke und Partner gelang schließlich die angestrebte Transformation des Bauwerks. Das ursprüngliche Gebäude war an sich bereits sehr schön, doch durch sein "Schicksal", hatte es einen negativen Touch.

Durch die neue Nutzung und die damit einhergegangene, sensible Gestaltung des Gebäudes bekommt der Ort eine neue Bedeutung: Liberty ist für die Gäste auf keinen Fall nur ein Name, sondern ein geschätzter Zustand, der in diesen Gemäuern tatsächlich spürbar wird.

 

Struktur ist ebenso wichtig wie Farbe.

Katja Scharnagel

 
Historische Elemente wie die ehemaligen, nur 1,70 m hohen Gefängnistüren wurden im Zuge der Modernisierung integriert und erinnern an die besondere Vergangenheit des heutigen Hotels.
 

Projektdaten

  • Objekt, Standort: Hotel Liberty, Offenburg
  • Bauherr: Christian Funk Holding, Offenburg
  • Nutzer: Liberty Hotelbetriebsgesellschaft
  • Architekt: Konrad Knoblauch GmbH Design, Markdorf
  • Technischer Berater: Hugo Schächtele, Brillux Offenburg
  • Ausführender Malerbetrieb: BSW Malerhandwerk, Lichtenau
 
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