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Gregor Cramer: ein leidenschaftlicher Streiter für Farbe

Dieser Artikel erschien in der MarktImpulse 3/20

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Mit dem Brillux Design Award werden alle zwei Jahre herausragende Gestaltungen und Verarbeitungen im Malerhandwerk prämiert. Wer die begehrte Auszeichnung mit nach Hause nehmen darf, wird von Gregor Cramer (mit-) entschieden. Warum er sich auf kontroverse Diskussionen freut und was ihm bei der Vergabe besonders wichtig ist.

Frage: Welchen Stellenwert hat der Brillux Design Award Ihrer Einschätzung nach innerhalb der Malerbranche?
Gregor Cramer: Meines Wissens gibt es keinen vergleichbaren Preis innerhalb der Branche, der sich ausschließlich mit Gestaltung in all ihren Facetten beschäftigt. Diese Ausrichtung sowie die Möglichkeit, internationale Objekte einzureichen, machen den Brillux Design Award einzigartig. Ich habe den Eindruck, dass die Neuausrichtung vom Fassadenpreis hin zum Brillux Design Award, der auch die Innengestaltung würdigt, in der Branche gesehen und honoriert wird. Einen Brillux Design Award zu erhalten, bedeutet, dass man eine wirklich außergewöhnlich gute Arbeit geleistet hat.

Frage: Was bedeutet Ihnen die Berufung in die Jury?
Gregor Cramer: Ich habe einen Anruf erhalten, ob ich mir das vorstellen könnte, und ich habe mich tatsächlich sehr darüber gefreut, weil ich die Auswahl der Jury mit ihrer Transparenz und Vielfalt sehr schätze. Das ist wirklich eine toll besetzte, internationale Jury aus Malern, Architekten und Innenarchitekten, bei der ich mir vorstellen kann, dass wir bei der Preisvergabe durchaus auch kontrovers diskutieren werden, aber das ist gut. Für mich gibt es nichts Schöneres, als sich über Farbgestaltung zu streiten. Bei dem Wissen und dem unterschiedlichen Hintergrund, den jedes einzelne Jurymitglied mitbringt, wird das bestimmt eine sehr bereichernde Erfahrung werden und viel Spaß machen, weil für uns alle die Gestaltung im Vordergrund steht.

Frage: Was zeichnet Sie als Jurymitglied aus, wo liegt Ihre Expertise?
Gregor Cramer: Zum einen arbeiten wir bei uns im Betrieb, der bereits seit fast 60 Jahren existiert, selbst sehr gerne mit Außergewöhnlichem. Das bedeutet, dass wir sehr viele Ausstellungen mit Wand- und Bodengestaltungen und einen großen Showroom haben. Wir bieten auch Türen, Tala-Leuchten und außergewöhnliche Wanddesigns an. 2010 haben wir dann zusätzlich zum Tagesgeschäft noch unseren Concept Store aufgebaut, in dem wir viele der Gestaltungsmöglichkeiten anbieten, die auch beim Design Award im Fokus stehen. Zusätzlich bin ich als Dozent an der Meisterschule und im Meisterprüfungsausschuss vertreten. Farbe und Farbgestaltung sind für mich wichtig. Das sind Themen, über die ich wirklich leidenschaftlich gerne diskutieren kann.

Frage: Haben Sie selbst einmal eine Fassade gestaltet, die Sie für preisverdächtig halten?
Gregor Cramer: Ich habe tatsächlich für eine Fassade einen Preis verliehen bekommen, und zwar 2013 von der Stadt Bonn. Das war die Fassade eines historischen Gebäudes am Münsterplatz in Bonn. Ansatzpunkt war hier, eine Farbe zu finden, die die Fassade mit all ihren Elementen – Gesichtern und Mustern – optimal zur Geltung bringt. Da habe ich tatsächlich zwei Stunden auf dem Gerüst gestanden und drei Farbtöne gemischt. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und das hat sich dann quasi in zweifacher Hinsicht ausgezeichnet.

Frage: Stichwort Auszeichnung: Was ist Ihnen bei der Auswahl der Nominierten besonders wichtig?
Gregor Cramer: Im Vordergrund steht für mich in erster Linie das Gesamtkonzept. Wie viele Gedanken hat man sich um die Ausgestaltung eines Objekts gemacht? Und wie fügt sich das in die Umgebung ein? Ein Objekt kann für sich alleine sehr gelungen sein, wenn es aber nicht zu dem Ort passt, an dem es steht, dann ist das Konzept nicht durchdacht. Das Gleiche gilt für den Zweck oder die Zeit, auch hier muss die Gestaltung entsprechend angepasst sein. Außerdem ist mir die interne Aufgliederung wichtig: Wie ist das Objekt in sich gegliedert, wie passen die Farben zueinander: Wand, Zimmer, verschiedene Etagen. Das Objekt muss nicht nur in die Umgebung passen, sondern auch in sich schlüssig sein und mit einer Stimme sprechen.

Frage: Worauf freuen Sie sich beim Brillux Design Award besonders?
Gregor Cramer: Auf die ganzen neuen Leute, die Jurymitglieder, und ihre neuen Ideen. Gerade bei Neubauten ist es nicht immer üblich, dass auch Wert auf die farbliche Gestaltung gelegt wird. Wir können hier bestimmt Inspiration für anstehende Projekte geben. Ich glaube, dass wir da viele fruchtbare Gespräche führen können und ich ganz viel Inspiration und gute Ideen mit nach Hause nehmen werde.

 

Gregor Cramer

Das Jurymitglied ist Maler- und Lackierermeister aus Berg in der Eifel. Seit 2019 ist der 53-Jährige Landesinnungsmeister der Maler- und Lackierer-Innung in Rheinland-Pfalz und stellvertretender Vorsitzender im Meisterprüfungsausschuss für das Maler- und Lackiererhandwerk. Cramer ist auch als Dozent in den Meisterkursen der Handwerkskammer Koblenz tätig. Seinen Betrieb Maler Cramer in Rheinbach gibt es seit fast 60 Jahren. Seit 2010 hat Cramer zusätzlich einen Concept Store für die Gestaltung von Räumen.

Website: maler-cramer.com

 
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