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Vom Kranken- zum GesundheitshausHealing architecture: Können Farben heilen?

Fotos:

  • Princess Máxima Centre in Utrecht: Ronald Tilleman Photography, copyright by MMEK'/ewout huibers
  • St. Hedwig-Krankenhaus, Berlin: Werner Huthmacher Photography
  • Children’s Hospital Charity in Sheffield: Jill Tate
  • Outdoor Care Retreat: Ivar Kvaal

Dieser Artikel erschien in der colore 20 #himmelblau

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Klinische Studien zur Erprobung von Medikamenten sind Standard – welche Wirkung Farben auf die Genesung haben können, ist hingegen kaum erforscht. Trotzdem wird es in vielen Krankenhäusern immer bunter. Evidenzbasierte Architektur aus Utrecht, Berlin, Luzern, Sheffield und Oslo zeigt Ansätze für eine bessere Wahrnehmung von Raum, Farbe und Licht.

Der Weg in den OP ist oft traumatisch, viele Menschen beschreiben ihn als das Schlimmste. Man fühlt sich ausgeliefert und muss die Verantwortung abgeben. Auf langen Korridoren verstärkt sich dieses Gefühl. Die Patienten im Princess Máxima Centre in Utrecht sind Kinder, ihre Diagnose lautet Krebs.

Dass sie anstatt durch einen funktionellen Verbindungsgang nun durch einen Regenbogen sausen, um zur Operation oder Intensiv-Care zu gelangen, verdanken sie LIAG Architekten und Baumanagement aus Den Haag. Der 160 Meter lange Übergang zwischen den beiden Klinikgebäuden wird von gefärbten Glasscheiben eingerahmt, ebenso bunt leuchten die Schatten des Tageslichts.

Was man auf dem Foto nicht sehen kann: Die Kinder werden nicht in ihren Patientenbetten geschoben, sondern fahren selbst mit Mini-Teslas durch ihren Regenbogen. Healing Architecture bedeutet mehr als eine reine Gestaltung von Oberflächen und Räumen – es geht um die Schaffung von positiven Erlebnissen.

"Ein Krankenhaus sollte nicht nur funktional und effizient sein, sondern sich auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten, die sich bei schwerer Krankheit ändern", meint Tanja Vollmer. Die promovierte Biologin und promovierte Psychologin arbeitet seit 2009 als Architekturpsychologin. Damit besetzt sie einen Schwerpunkt, für den mit ihrer Berufung an die Technische Universität in München der akademische Grundstein gelegt wurde.

Ihr Studio Kopvol Architecture & Psychology (Berlin/Rotterdam) hat für die Kinderonkologie in Utrecht das Qualitative Raumkonzept entwickelt – ein Begriff aus der Wissenschaft des Evidence-based Design. Das Qualitative Raumkonzept legt die Entwurfsbasis; in Utrecht mit dem Grundgedanken einer Architektur, die den Genesungsprozess unterstützt: Der Raum heilt mit.

In der Kinderonkologie in Utrecht sollen die großzügig geplanten Erschließungsflächen Ablenkung und Bewegung fördern, um so die Kinder frühzeitig aus den Zimmern zu locken. Weltweit einmalig ist das Konzept der Eltern-Kind-Einheit.

Die Patientenzimmer zonieren sich dabei in einen Bereich, der ausschließlich für Kinder und ihre Freunde gedacht ist. Medizinisches Personal hat hier keinen Zutritt: Der Rückzugsort dient der Angstminderung. Dazu schalten sich eine Behandlungszone und eine Art kleines Hotelzimmer für die Eltern mit einer separaten Eingangstür sowie einer Verbindungstür zum Kinderzimmer, ergänzt die Architekturpsychologin.

"Bei der Entwicklung der Eltern-Kind-Einheit war uns wichtig, dass die Kinder selbst bestimmen, wie groß die Nähe oder Distanz zu den Eltern sein soll." Je nach Wunsch lässt sich das Eltern- auch neben das Kinderbett schieben. Besonders bei Jugendlichen fördert die flexible Trennung von den Eltern eine autonome Entwicklung. "Viele von ihnen sind schließlich über lange Zeiträume in der Klinik", betont Vollmer.

Kinder haben ihre eigenen Farben

Die Farb- und Raumgestaltung lag bei LIAG in den Händen von Thomas Bögl. Der Architekt ist einer der insgesamt drei Büropartner. Als Spezialisten im Gesundheitsbau kannte man LIAG bisher nicht, im Gegenteil: Utrecht ist das erste Healthcare-Projekt des niederländischen Studios. Dafür kann LIAG eine enorme Expertise im Bau von Schulen und Kindergärten vorweisen und weiß, wie Kinder Raum erleben.

"Wir wollen, dass alle Patienten permanent mit Natur in Kontakt kommen", erklärt Bögl. Die Natur wächst deshalb so weit wie möglich in das Gebäude hinein, so ergeben sich die Innenhöfe. Die Fassade zitieren die Architekten als einen weißen Arztkittel, der von Lamellen mit verschiedenen Farbkodierungen strukturiert wird.

Sie sind wie in einem Tetris-Spiel arrangiert, was gleichzeitig an den Streifencode der DNA-Untersuchungen erinnern soll. Je nach Perspektive sieht man mal mehr, mal weniger Farbe. Abgebildet wird das ganze Spektrum des Regenbogens: 27 verschiedene Farben, 15 davon finden sich auch in der eingangs erwähnten Verbindungsbrücke zum benachbarten Krankenhaus wieder. "Die Kinder sollten gerade hier einen Erlebnisraum erfahren."

Das Innere gestaltet sich relativ neutral. "Die Kinder haben ihre eigenen Farben", weiß der Architekt. Vieles bringen sie von zu Hause mit. "Kuscheltiere, Spielzeug, auch ihre eigene Bettwäsche, außerdem bekommen sie Karten und Bilder geschenkt, die sie aufhängen." Alles, was die Kinder anfassen können, sollte aus Holz sein und eine warme Atmosphäre verbreiten.

Die Flure dienen als Rennstrecke und münden stets mit einem Sichtbezug in die Landschaft, der Blick auf den Spielplatz weist den Weg, schnell wieder gesund zu werden. Im Sommer 2018 wurde die Kinderonkologie in Betrieb genommen, die erste Phase der Evaluation läuft noch. Finanziert wurde dieses besondere Projekt, weil "eine wissenschaftliche Beweisführung vorab belegen konnte, wie sich die zusätzlichen Flächen auf das Eltern- und Patientenwohl auswirken", erläutert Tanja Vollmer, die gerade ein Folgeprojekt für die Uniklinik Freiburg realisiert. Highlight dort wird das Architekturkonzept des "Antiwarteraums".

Die Studien, die bis jetzt der Farbgestaltung im architektonischen Design im Gesundheitsbau zugrunde liegen, sind aus ihrer Perspektive zu schwach: Sie lassen sich nicht generalisierend anwenden. Als Beispiel nennt die Architekturpsychologin dazu eine Studie, die zeigt, "dass sich der Patient vor einer grünen Wand besonders entspannt und in Psychiatrien so die Aggressionen zurückgehen, weshalb man seit 15 Jahren viele psychiatrische Einrichtungen gerne grün gestaltet hat".

Parallel dazu gebe es wiederum andere Studien, die belegen, dass Patienten vor grünen Wänden ihr Vertrauen in den medizinischen Behandler verlieren. "Man vertraut einem Arzt mehr, wenn er vor einer weißen Wand sitzt", sagt Tanja Vollmer und verdeutlicht: Ganz so einfach ist es mit der Farbgestaltung also nicht.

How to make a green chicken

Sprechen wir mit einem Architekten, der Farbe integral in allen Projekten von Beginn an mitdenkt – auch im Gesundheitsbau. "Farben sollen informieren und nicht dekorativ sein", findet Jason Danziger. Seine Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der Soteria – einer therapeutischen Einheit für Schizophrenie – im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin zeigen einen ebenso mutigen wie behutsamen Umgang mit Farbe und Licht – sie basieren auf der Idee, nur wenige Farbflächen mit hoher Sättigung einzusetzen.

Danzigers Studio thinkbuild architecture BDA arbeitet dabei grundsätzlich mit indirekten Farben: "Lichtphotonen treffen auf eine farbige Fläche und nehmen diese Farbe mit", erklärt Jason Danziger das Phänomen: How to make a green chicken. "Wir nehmen das als reflektierte Farbe wahr. Das ist der Trick." Als Beispiel zeigt er einen negativen Deckenkranz, gestrichen in hochgesättigtem Gelb. "Darunter ist die Wand weiß gestrichen, wir sehen einen gelben Schatten", so der Architekt. "Personen mit Wahrnehmungsstörungen nehmen das genauso wahr. Es ist ein demokratisches Phänomen."

Als Werkzeug dient dem Wahlberliner ein Farbsystem, das auf Wahrnehmung basiert – der Grundriss mit den eingesetzten Farbtönen gibt als eine Art Fahrplan den Rhythmus vor. Aufgefangen werden die intensiven aktiven Farben von einem neutralen Basisgrau. Wo vorher einmal ein blauer Bodenbelag die Patienten durch gelbe Flure in lieblos gestaltete Zimmer führte, erlebt man seit 2014 ein stimmiges Gesamtkonzept. Gelingen konnte das durch eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Workshops mit dem Pflegepersonal. "Farbe ist immer ein Mittel, das hilft."

  • <p> Mutiger und behutsamer Umgang mit Farbe und Licht in der Soteria des St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin</p>

    Mutiger und behutsamer Umgang mit Farbe und Licht in der Soteria des St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin

  • <p>Wenige, aber reflektierende Farbflächen mit hoher Sättigung</p>

    Wenige, aber reflektierende Farbflächen mit hoher Sättigung

"Man weiß, dass Farbe gut tut und wichtig ist", bestätigt die Architektin Ute Ziegler, ergänzt aber einschränkend: "Aber man kann nicht sagen, wie Farbe sein muss. Dazu fehlen uns noch harte Fakten aus der Wissenschaft." Ziegler spricht von sogenannten Anekdotischen Evidenzen, was so viel bedeutet wie: "Kann sein, muss aber nicht so sein."

In der Forschungsgruppe Innenarchitektur der Hochschule Luzern untersucht sie im Schwerpunkt Healthcare Design in der anwendungsorientierten Forschung gerade die Wirkung der Zimmerdecke auf bettlägerige Patienten und Intensivpatienten. "Wenn das Gehirn keine sensorischen Reize bekommt und immer nur das Gleiche sieht, beginnt es zu halluzinieren", erklärt Ute Ziegler.

Neben Farben berücksichtigt sie dabei auch Strukturen in den noch zu erprobenden Szenarien. In etwa zwei Jahren werden die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt in eine erste Gestaltung übersetzt, dann testet man weiter. Ute Ziegler vertritt den Ansatz, dass Patienten und Ärzte Experten für die Räume sind, in denen sie sich aufhalten – und nicht der Architekt.

Die landläufige Farbpsychologie folge auch immer noch einem einfachen Strickmuster. "Rot ist aktivierend und Blau beruhigend", fasst Ziegler diese bewusst überspitzt zusammen, um zu verdeutlichen, dass es eben doch komplexer ist. "Damit habe ich persönlich meine Schwierigkeiten und ich würde, obwohl ich mich sehr für Farben interessiere, nie eine Farbgestaltung für ein Spital entwickeln."

Not too baby

Wie ein solches Farbkonzept aussehen kann, wenn man es einer Künstlerin überlässt, zeigt ein Projekt aus dem britischen Sheffield. Auch hier handelt es sich wieder um eine Kinderklinik – offenbar traut man sich hier bei den jungen Patienten eher, Farbe zu bekennen. Dabei gibt es ebenso bei Kindern eine Fallhöhe, wie die Londoner Architektin Mary Reid berichtet. Die Senior Interior Designerin bei Avanti Architects hat den Erweiterungsbau für das Children's Hospital Charity in Sheffield seit 2010 mitbetreut und gestaltet.

Als Grundlage dienten hier neben wissenschaftlichen Studien ebenfalls konkrete Befragungen von Mitarbeitern, Patienten und Eltern. Laut den Forschungsergebnissen Space to Care erinnern sich Kinder unter sieben Jahren nämlich kaum an ihre Krankenhauserfahrungen, während viele Kinder über sieben Jahren die Räume in Kinderkliniken oft als zu kindisch empfinden: eben "much too baby".

Umso mehr passt also der künstlerische Ansatz von Morag Myerscough. "Meine Herangehensweise war, dass sich die Zimmer wie zu Hause anfühlen: ein Ort, an dem sich die jungen Patienten und ihre Angehörigen wohlfühlen und der etwas Freude in diese schwierigen Zeiten bringt", schildert die Künstlerin ihr Konzept, das in 46 Einzelzimmern angewendet wurde.

  • <p>Outdoor Care Retreat des Universitätsklinikums Oslo</p>

    Outdoor Care Retreat des Universitätsklinikums Oslo

Die grafischen Farbmuster auf den Formica-Paneelen der Wandverkleidungen und -schränke fallen dabei in einer Variante der insgesamt vier Oberflächengestaltungen etwas dezenter und sensibler aus als ihre sonstigen Entwürfe, damit sowohl die an Autismus erkrankten Kinder als auch die Erwachsenen nicht auf Dauer überstrapaziert werden. Die Hintergrund-Oberflächen von Avanti Architects bewegen sich zwischen heller Eiche, Off-White und Linoleum in warmem Grau: Sie beruhigen das bunt bedruckte Interieur.

View through a window

Wenn Ute Ziegler die bewiesene Heilungskraft des Weitblicks aus "View Through a Window May Influence Recovery from Surgery" des amerikanischen Architekturprofessors Roger S. Ulrich als die "Urstudie der Healing Architecture" bezeichnet, geht man in Norwegen und Skandinavien gerade einen großen Schritt weiter in diese Richtung. Raus aus dem Zimmer, raus aus dem Krankenhaus, lautet die jüngste Hypothese, die man seit Januar 2019 im Universitätsklinikum Oslo und dem Sørlandet Hospital Kristiansand verfolgt.

Einen zauberhaften Ort, "etwas Magisches", wollte das Studio Snøhetta schaffen. Das Resultat findet man als sogenanntes Outdoor Care Retreat 100 Meter entfernt von der Osloer Uniklinik in einem kleinen Waldstück. Projektarchitekt Nicolai Ramm Østgård erzählt, wie es dazu kam. Die Idee basiert auf einer privaten Initiative. "Ein Vater, dessen neunjährige Tochter an Krebs erkrankt war, überlegte zusammen mit der befreundeten Kinderpsychologin Maren Østvold Lindheim, wie man aus der angsteinflößenden Umgebung der Krankenhauskomplexe entkommen kann", erinnert sich Østgård. Der temporäre Zufluchtsort für Langzeitpatienten sollte zunächst eine kleine, einfache Jurte sein, die man eingebettet in die Natur vor der Klinik aufbauen wollte. Dann kam Snøhetta ins Spiel.

"Die Form ergibt sich aus der natürlichen Waldumgebung", erklärt der junge Architekt. "Weil wir eine Art Baumhaus schaffen wollten, dachten wir über Holzkonstruktionen nach: eine gemütliche, schützende, aber auch unpräzise Architektur." Während die Fassade aus Kebony einen raueren Eindruck vermittelt, sind alle inneren Oberflächen aus hochwertiger Eiche gefertigt und sollen eine warme Atmosphäre erzeugen.

Auf den eingebauten Bänken kann man sitzen oder liegen, die Fenster rahmen den Blick in den Wald. Allein die Kissen bringen Farbe in die Holzarchitekturen, wobei mit Orange, Blau und Violett explizit Farbtöne eingesetzt werden, die man nicht im Wald finden kann: "Alles außer Grün", sagt Nicolai Ramm Østgård. Die 35 Quadratmeter großen Cabins können für jeweils einige Stunden gebucht werden.

Wie sich die Retreats auf die Patienten auswirken, wird in einer Langzeitstudie untersucht – das bisherige Feedback ist extrem positiv. Bei Snøhetta entwirft man bereits Folgeprojekte: einmal in Trondheim, einmal in Østfold; zwei weitere Retreats in Oslo und Kristiansand werden im Herbst 2019 fertiggestellt. Die Ergebnisse der Evaluation werden vermutlich weiteren Rückzugsorten die Finanzierung erleichtern.

"Holz hat es immer noch schwer im Gesundheitsbau", meint auch Ute Ziegler. Dabei spiele gerade Materialität neben Farbe ihrer Meinung nach eine entscheidene Rolle, um Kliniken wärmer und wohnlicher werden zu lassen. Edelstahl, Keramik und andere glatte Materialien wirken sich negativ auf die Akustik und damit auch auf die Atmosphäre aus. "Aber es gibt mittlerweile schon viele Klinikeinrichtungen, die Böden aus Holz oder hölzerne Details wie z. B. Handläufe haben", schildert die Architektin.

Und auch wenn Pflanzen in Innenräumen eine Schwierigkeit darstellen – Erde und Pflanzen sind ein Keimträger –, betont Ute Ziegler das Forschungspotenzial im Bereich Healing Architecture. Die NASA teste bei ihren Marsexpeditionen zum Beispiel, wie man Pflanzen mit alternativen, keimfreien Substraten in den Weltraum bringen kann. Ein Dschungel im Krankenhaus dürfte nicht nur den Patienten gefallen. Der Genesungsweg wirkt dann vielleicht nicht mehr so beschwerlich wie eine Reise zum Mars.

  • <p>&quot;Not too baby&quot;: Grafische Farbmuster auf Wandverkleidungen und Schränken im Children's Hospital Charity in Sheffield</p>

    "Not too baby": Grafische Farbmuster auf Wandverkleidungen und Schränken im Children's Hospital Charity in Sheffield

Wirkungen der Umweltfaktoren Farbe und Licht

Dass sich Farbe und Licht auf das Wohlbefinden und die Zufriedenheit des Menschen auswirken, belegt eine Studie, die 2017 im Rahmen der Renovierungsmaßnahmen auf drei Stationen der Klinik für Intensivmedizin im HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal durchgeführt wurde. Hintergrund war die wissenschaftliche Diskussion im Bereich der Intensivmedizin zu den negativen Effekten eines prolongierten Delirs ("Durchgangssyndrom") auf die Morbidität und Mortalität von Patienten, mit dem Ziel, Alternativen zu einer Behandlung durch Pharmaka zu finden. Es wurde ein Musterzimmer mit biodynamischem Licht ausgestattet, das dem Delirzustand entgegenwirkt. In einem partizipativen Verfahren mit Workshops wurden neue Farbkonzepte für alle Räume der Station nach der ausgewählten Variante entwickelt. Die Maßnahmen beinhalteten neben der Gestaltung des Musterzimmers eine Änderung des Bodenbelags (Sicherheit), der Raumfarben (Privatheit und Wohlbefinden), der Türfarbe (Orientierung). Das Ergebnis: Der Verbrauch an Medikamenten konnte tatsächlich deutlich gesenkt werden. Bei den Patienten verbesserte sich das Gefühl der Privatheit um 55,2 Prozent; die Bewertung der Umweltgestaltung stieg bei den Patienten um durchschnittlich 32,3 Prozent, beim Personal um 40,8 Prozent. Der Einsatz von Medikamenten konnte um 30,1 Prozent gesenkt werden.

HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal – Klinik für Intensivmedizin

In Kooperation mit Axel Buether von der Fakultät Design und Kunst an der Bergischen Universität Wuppertal

Laufzeit: 12 Monate

Raum, Farbe und Gesundheit

Einen besonderen Fokus auf Farbharmonien, Farbverhältnisse, Farbzuweisungen und Farbwahrnehmungen setzt die VR-basierte Forschungsstudie "Raum – Farbe – Gesundheit" der Kinderonkologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Lübeck in Kooperation mit der TH Lübeck und der Brillux GmbH & Co. KG. Auf Grundlage einer umfangreichen Untersuchung der bisherigen Studienlage zum Thema Farbgestaltung im Gesundheitswesen konnten zunächst zehn Farbtöne (Gelb, Orange, Rot, Violett, Blau, Grün, Weiß, Grau, Schwarz, Braun) abgeleitet werden. Ein Forschungsteam um Professor Wehring und Frau Ebener entwickelte daraus in einem nächsten Schritt drei Gestaltungsvarianten. Geprüft werden sollten drei Thesen:

  • Blau und wenig gesättigte Grüntöne sind gut für Intensivstationen.
  • Krankenhäuser sollen weniger aussehen wie ein Institut, sondern mehr wie ein Zuhause.
  • Muster sollten immer durch eine neutrale Wand begleitet werden, um einen Ausgleich zu schaffen.

Alle drei Varianten wurden im Wintersemester 2018/19 in einem virtuellen Raum von insgesamt 105 Probanden mit einer Unterteilung in Reaktion, Raumwirkung und Assoziation getestet. Zu den Studienparametern zählten neben den zu untersuchenden Farbvarianten auch Raumparameter wie Grundfläche, Höhe, natürliche und künstliche Beleuchtung, Möblierung und Materialien. Die in Zusammenarbeit mit dem Brillux Farbstudio entwickelte Methode auf Basis der VR-Technologie lässt sich gerade im Gesundheitsbau als beratendes Tool einsetzen.

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Lübeck

In Kooperation mit der TH Lübeck und der Brillux GmbH & Co. KG

Laufzeit: 6 Monate

Parametrische (T)Raumgestaltung

Welche Auswirkungen die Raumatmosphäre auf den Heilverlauf von Intensivpatienten haben kann, untersucht das Forschungsprojekt Parametrische (T)Raumgestaltung seit sieben Jahren am Campus Virchow-Klinikum der Charité. Dabei treten in den zwei dafür entwickelten Pilot-Intensivzimmern die technischen Geräte in den Hintergrund, während die visuelle Umgebung individuell an den Zustand der Patienten anpassbar ist. Das Innenraumkonzept wurde in enger Abstimmung mit Ärzten und Pflegepersonal von GRAFT Architekten entworfen: Die beiden Zimmer mit jeweils zwei Betten liegen nebeneinander, ein kleiner gemeinsamer Beobachtungsraum mit separatem Zugang ist dazwischen platziert. Die Räume wurden vorrangig aus der Patientenperspektive heraus entwickelt und sind auf die Wahrnehmung der im Bett liegenden Personen abgestimmt. Ein wesentlicher Aspekt lag auf der Beleuchtung und Akustik. Ein individuell steuerbares, in Kooperation mit den Mediengestaltern von ART + COM entwickeltes Lichtkonzept unterstützt den natürlichen Wach-Schlaf-Rhythmus und die Orientierung. Durch Geräte und Alarmsignale verursachte Störgeräusche konnten gedämpft oder in das Beobachtungszimmer verlagert werden.

Charité Campus Virchow-Klinikum

In Kooperation mit GRAFT, ART+COM und der Charité CFM Facility Management GmbH

Laufzeit: seit 2013 fortlaufend

Biophilic Design

Biophilic Design

Dieser Trend steht für die Naturbelassenheit in der Architektur, die Verknüpfung von Außen und Innen, die Versöhnung von Grün und Glas. 

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