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Networking: Weil Solidarität alle weiterbringt

Dieser Artikel erschien in der MarktImpulse 2/20

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Wohin entwickelt sich das Handwerk in den nächsten Jahren? Diese Frage haben wir in unserer Serie "Trendmap" bereits für die Bereiche Marketing‚ Engagement und Automation beantwortet. Dass der zukünftige Erfolg aller Betriebe entscheidend vom Zusammenhalt untereinander abhängt, macht Expertin Anja Cordes im letzten Teil der Serie Networking deutlich.

  • <p>Welche Entwicklungen auf das Malerhandwerk zukommen, hat Trendforscher Peter Wippermann gemeinsam mit der Gesellschaft für Handwerksmessen mbH in der &quot;Trendmap Handwerk&quot; systematisiert. Wir beleuchten die Haupttrends in vier Folgen. Das ist die dritte. <em>Quelle Diagramm: bitkom</em></p>

    Welche Entwicklungen auf das Malerhandwerk zukommen, hat Trendforscher Peter Wippermann gemeinsam mit der Gesellschaft…

Frage: Frau Cordes, Sie forschen am Institut für Betriebsführung im Handwerk (itb) praxisorientiert zu allen Themen der Betriebsführung. Welche Formen von Kooperationen begegnen Ihnen?

Anja Cordes: Unter einer Kooperation verstehen wir einen auf Dauer angelegten Zusammenschluss zu einem bestimmten Zweck. Diese Form der Zusammenarbeit findet sich im Handwerk schon so lange, wie es das Handwerk gibt, zum Beispiel im Rahmen der Zünfte. Wir im itb stehen im Austausch mit vielen Betrieben und sehen dort verschiedene Kooperationsformen: Da sind einmal jene, die auf Wertschöpfung angelegt sind. Das bedeutet: Es kommen Betriebe unterschiedlicher Branchen zusammen. Sie können sich so – etwa als regionaler Zusammenschluss kleiner und mittlerer Betriebe – auf öffentliche Ausschreibungen und Projekte bewerben, die früher aufgrund ihres Auftragsvolumens Großbetrieben vorbehalten waren. Dann gibt es internetbasierte Kooperationen, bei denen dank der neuen Technologie ein Kommunikations- und Datenaustausch von allen projektbeteiligten Betrieben stattfindet. Das geschieht zum Beispiel per Building Information Modeling (eine softwarebasierte Bauplanung, Anm.d.Red.) Es werden Informationen wie das Aufmaß einer Baustelle beinahe in Echtzeit miteinander geteilt; so Doppelarbeiten vermieden. Und dann sind wir noch auf eine weitere spannende Form aufmerksam geworden, nämlich Gesundheitskooperationen, auch Betriebsnachbarschaften genannt. Dabei schließen sich kleinere Betriebe im Umkreis von bis zu 20 Kilometern zusammen, die kein eigenes betriebliches Gesundheitsmanagement haben. So können sie dann Schulungsangebote, die beispielsweise von der Krankenkasse erst ab einer bestimmten Teilnehmerzahl kostenlos durchgeführt werden, für alle Mitarbeiter beteiligter Betriebe anbieten.

Frage: Was ist der Nutzen von Kooperationen?

Anja Cordes: Durch die gemeinsame Nutzung verschiedener Ressourcen entstehen Synergieeffekte, vor allem ökonomischer Natur. Sei es durch die Zusammenlegung des Marketings oder die gemeinsame Anschaffung von bestimmten Gerätschaften. Ebenso wichtig ist der Nutzen eines Austauschs auf Augenhöhe. Wir haben festgestellt, dass die Form der Zusammenarbeit, wie sie in Kooperationen praktiziert wird, am erfolgreichsten ist. Sowohl was die Herausforderungen des Marktes betrifft, also etwa wenn Billiganbieter die Kosten drücken, als auch für Weiterentwicklung der Kooperierenden. Es entwickelt sich ein Problemlöser- Effekt und die teilnehmenden Betriebe erarbeiten sich einen Wissens- und Kompetenzvorsprung.

Frage: Gibt es für die kooperierenden Betriebe Nachteile?

Anja Cordes: Es gibt Stolpersteine, die die Betriebe nicht aus den Augen verlieren dürfen. Zum Beispiel, dass Daten von Kunden preisgegeben werden könnten und man Einblicke in Mitarbeiterstrukturen von anderen Betrieben erhält, die man nicht bekommen sollte. Da muss man mit einer Datenschutzvereinbarung und entsprechender Software gegensteuern. Eine Kooperation kann aufgrund ihrer Funktionsweise auch dazu führen, dass die Betriebe abhängig voneinander werden und ihre Eigenständigkeit verlieren. Ein häufiges Beispiel: wenn Kunden nur noch über den Kooperationspartner erreicht werden. Es können auch Kommunikationsprobleme zwischen den Partnern entstehen, wenn man nicht ganz genau geklärt und schriftlich festgelegt hat, wer gemeinsam angeschaffte Gerätschaften wie einen 3D-Drucker bei Bedarf zuerst bekommt.

Frage: Womit wir bei den Regeln wären: Was müssen Betriebe, die Kooperationen eingehen wollen, beachten?

Anja Cordes: Damit die Synergieeffekte möglichst groß sind, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu sollten die Erwartungen von allen Beteiligten auf den Tisch gebracht werden. Es bringt nichts, wenn ein Betrieb von einer auf kurze Zeit angelegten Zweckgemeinschaft ausgeht, zum Beispiel für den Einkauf, und der andere sich längerfristig zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen austauschen möchte. Alle müssen sich darüber im Klaren sein, wie die gemeinsamen Ziele lauten. Dafür sollte man sich persönlich treffen – real und regelmäßig. Es hilft Kooperationen ungemein einen externen Netzwerkmanager zu ernennen, der sich um alle Anliegen und die Kommunikation kümmert, also Treffen moderiert und neutral ist. Das bringt Professionalität rein. Optimal sind Kooperationen zwischen Betrieben mit vergleichbaren Organisationsstrukturen und Betriebsgrößen, weil sie sich auf Augenhöhe befinden und sich gut unterstützen können. Und dann sind gemeinsame Spielregeln, zu Datenschutz und Versicherungsschutz, elementar. Das Allerwichtigste ist aber der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, das mit der Bereitschaft einhergeht, in Vorleistung zu gehen und zu wissen, dass man das, was man investiert hat, wieder zurückbekommt. Zu Beginn stehen bei Kooperationen die Kosten im Vordergrund. Folgen im zweiten Schritt Arbeitserleichterung und optimierte Kunden- und Mitarbeiterbetreuung, sieht man: Solidarität zahlt sich aus.

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